Skip to main content
Donnerstag, 04. Juni 2020

Hells Angels Berlin: Zeugen zum Mordanschlag auf André S. gesucht

Die Berliner Mordkommission sucht jetzt fieberhaft nach weiteren Zeugen, die das Blutbad in der Zechner Straße in Berlin-Hohenschönhausen in der Sonntagnacht gegen 3.00 Uhr gesehen haben oder sachdienliche Hinweise zu auffälligen männlichen Personen machen können. Nach einem Streit zwischen dem Berliner Hells-Angels-Chef, von einigen als ‚Graue Eminenz‘ bezeichnet, und einem anderen Mann, feuerte der Mörder plötzlich circa fünf Schüsse ab. Einer traf André S., 47, mitten ins Herz. Es wird spekuliert, der Rockerkrieg, beziehungsweise Bandenkrieg, zwischen den Hells Angels und Bandidos, beides Motorradclubs, könne nun wieder aufbrechen und weitere Verbrechen nach sich ziehen.

Für die Motorradfahrer in Kutte tragisch: Tausende friedliche und unschuldige Motorradfahrer und Motorradrocker werden von den Medien in Kollektivhaft genommen. Dabei zeigten die vergangenen deutschlandweiten Razzien in Berlin, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein in rund 200 Wohnungen: Die allermeisten Rocker sind friedliche Genossen. Wirklich überwältigend waren die Untersuchungsergebnisse der involvierten rund 3000 Polizisten bislang nicht. Auch von der Aufklärung um den Tod eines Türken in Kiel scheint die Polizei noch weit entfernt zu sein.

Es deutet sich immer mehr an, dass er nicht Opfer der Hells Angels geworden sein könnte, sondern Opfer von drogenhandelnden Kurden. Denn die hatten wohl ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Bislang hieß es immer, der möglicherweise ermordete Türke könne in einem Betonboden einer Lagerhalle einbetoniert worden sein. Doch gefunden wurde trotz umfangreicher Sucharbeiten bislang nichts. Ein Kronzeuge der Berliner Staatsanwaltschaft, den Gerichtsreporter eher als dubios schildern, hatte behauptet, Hells Angels hätten den Türken übelst gefoltert, dann erschossen und schließlich einbetoniert.

In Berlin und Brandenburg wurde von 900 geschätzten Bandidos-Mitgliedern gerade einmal gegen neun, also ein Prozent, auf Grund der Razzia von vergangener Woche, Haftbefehl erlassen. Der Vorwurf: Drogengeschäfte, Menschenhandel (Prostitution), Waffengeschäfte.

Derweil kämpft der Berliner Rocker-Boss, André S., weiter im künstlichen Koma um sein Leben. Er liegt bewacht auf der Intensivstation des ehrwürdigen Berliner Krankenhauses Charité. Seine Chancen den Lebenskampf zu überstehen, stehen nicht gut. Doch selbst wenn: Erhebliche lebenslange Schäden würden wahrscheinlich nach so einem Anschlag bleiben, sagte ein Arzt dem pazifistischen Magazin kriegsberichterstattung.com.

Allerdings hofft die Berliner Mordkommission doch noch auf ein Wunder. Würde Andre S. aufwachen, bliebe für die Beamten immer noch die Hoffnung, dass S. spricht. Dass er – im Gegensatz zu sonstigen Ermittlungsverfahren in die er schon einmal involviert war – nun im Angesicht des Todes wenigstens den Täter, den brutalen Mörder nennt. Der Mordanschlag geschah angeblich in der Nähe der Kneipe „Germanenhof“ in Berlin. Er gilt nach Medienspekulationen auch als Treffpunkt einer eher rechts politisch angesiedelten Szene. Manche sprechen von einem Treffpunkt von Rechtsextremen. Ob das so ist oder nicht, konnte nicht überprüft werden. Es wird spekuliert, André S sei Betreiber dieses Lokals.

Der Mordanschlag auf den Rocker sorgt derzeit bei tausenden Motorradfahrern für Entsetzen. Der in Lebensgefahr schwebende André S war Präsident der „Nomads“. Es war eine örtliche Berliner Gruppierung des Motorradclubs Hells Angels. Der Club wurde aus militärischen Einheiten aus den US-Militärs heraus im Zweiten Weltkrieg in den USA gegründet. Weltweit gibt es über 350 Mitgliedsverbände. Alleine in Deutschland sind einige Tausend Kuttenträger bei den Hells Angels engagiert. Die meisten genießen die Gemeinschaft und sind auch friedlich.

Der Anschlag auf den Berliner Motorradclub-Chef sorgt weltweit für ein großes Interesse. Das konnte auch das pazifistische Magazin kriegsberichterstattung.com feststellen: Auf seine diversen Hintergrundartikel zu dem Mordanschlag griffen weltweit aus über 150 Orten einige Tausend Personen zu, die meisten allerdings aus Deutschland. Dabei wird auch klar, dass es sich bei dem Clubchef um keinen Unbekannten handelt. Die meisten suchten direkt nach dem komplett ausgeschriebenen Namen des Opfers – was aber auch daran liegen kann, dass zunächst einige Medien seinen Namen ausgeschrieben hatten.

Aus datenschutzrechtlich problematischen Gründen haben wir uns für die abgekürzte Schreibweise des Opfernamens entschieden. Zwar wäre es im Fall von André S. umstritten, da das Opfer durchaus aus presserechtlicher Sicht als ein Zeitzeuge von öffentlichem Interesse angesehen werden kann. Aber so lange die meisten anderen Medien den Namen abkürzen, möchten wir auch aus Respekt vor einem Opfer eines solch brutalen Mordanschlags die abgekürzte Version des Namens erst einmal beibehalten.

Kommentar:
Sie werden wieder aus ihren Fenstern heraus rufen: Verbietet die Motorradclubs dieser Welt. Verbietet Gruppierungen wie die Hells Angels oder die Bandidos. Dabei gilt: Es ist mit demokratischen rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht vereinbar, Tausende Menschen, die friedlich sind, in eine Kollektivhaft zu nehmen.

Der Staat hat alle Möglichkeiten um gegen Kriminalität auch in Rockerclubs vorzugehen. Dabei sollte auch bedacht werden: Organisierter Kriminalität, die für die Bürger bedrohlich ist, kommt in Deutschland aus ganz anderen Richtungen als aus der Rockerszene. Das hat zum Beispiel auch eine Studie des Versicherungsvergleichsportals geld.de gezeigt. Demnach wird in Deutschland, Österreich oder der Schweiz mittlerweile jährlich jede 154. Wohnung aufgebrochen und ausgeraubt.

Die Täter, sagten viele Polizeistationen, kämen überdurchschnittlich häufig aus Ost- oder Südeuropa. Also Ländern wie Bulgarien, Rumänien oder Albanien. Während in Deutschland offiziell in den Polizeistatistiken verschämt nur von „Bürgern nicht-deutscher Herkunft“ gesprochen wird, haben die Schweizer Polizeistationen kein Problem die Herkunft der Täter auch örtlich zu benennen. Auch sie sprechen von umfangreicher bandenmäßig organisierter Kriminalität. Von Hells Angels oder Bandidos als Tätergruppen ist zumindest in dieser Studie nicht die Rede, da sie auch als Täter nicht genannt wurden von den Polizeistationen. Auch in der Kriminalitätssendung des ZDF, in „Aktenzeichen xy ungelöst“ sind Hells Angels oder Bandidos bislang nicht sonderlich oder umfangreicher als kriminelle Tätergruppe in Erscheinung getreten.

Das heißt: Das „Betätigungsfeld“ einiger Rocker wurde ja auch von den Staatsanwaltschaften und ermittelnden Polizeibehörden genannt. Es seien Drogen, Prostitution (Menschenhandel) oder Waffenhandel. Es sind Bereiche, die mit der Masse an Bürgern also berührungsfremd sind. Es ist deshalb unseriös, jetzt so zu tun, als würde Deutschland von einer Hells-Angels-Mafia unterwandert. Fakt ist: Die Polizei ist bislang in den meisten Orten, auch in Berlin, noch nicht einmal im Stande, die Aufklärungsquote beispielsweise bei Wohnungseinbrüchen und Wohnungsrauben, auf über zehn Prozent zu heben. Sie tendiert in Deutschland, aber auch in Österreich oder der Schweiz gegen Null. Das betrifft auch andere Diebstähle, wie Autodiebstähle.

Jetzt gilt es, dass die Rockerclubs einzelne kriminelle Elemente selbst dingfest machen, hier mit der Polizei im eigenen Interesse zusammenarbeiten und dabei helfen, der Öffentlichkeit gegenüber klar zu machen: Ja, auch wir haben, wie einige anderen gesellschaftliche Gruppierungen, es vereinzelt mit Bürgern zu tun, die sich nicht immer an Recht und Gesetz halten. Aber die überwältigende Mehrheit von uns Rockern ist friedlich, besteht aus ganz normalen Steuerzahlern oder Familienvätern, auch Großvätern. Ein guter Ansatz ist ein Aufruf der Rockerunion. Er geht genau in diese Richtung. Mit solchem Engagement kann umfangreichen Verbotsszenarien ebenfalls wirksam entgegengetreten werden.

Weitere Texte zum Thema

Polizeirazzien Hells Angels, Bandidos: ‚Frauen und Kinder mit Füßen zu Boden gedrückt, Wohnungen Erdboden gleich gemacht‘

Kampf ums Überleben – Hells Angels: Mordanschlag galt André S., bekannter Hells Angels in Berlin

Bandidos Razzia -99 Prozent gelten bislang als unschuldig / 1 Prozent der 900 Berliner Mitglieder sitzt jetzt in U-Haft

Hells Angels: Peinliche Ergebnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft

2.000 Hells Angels treffen sich in Graz in Österreich zum World Run

Hells Angels: Rockerunion wehrt sich gegen überzogene Polizeieinsätze und Polizeischikane

Folterkammer Hells Angels Nicht entdeckt – Medienfalschmeldung

Hells Angels Chef Frank Hanebuth ist stinksauer nach Razzia mit 1200 Polizisten



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Montag, 30. März 2020

Vom Wahnsinn & Co

Gewinner Coronakrise: Ganz klar China, der Westen durchgeht Katharsis

Kommentar – Die Corona-Krise im Westen wird wahrscheinlich Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz kosten und Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Unternehmen, darunter viele Einzelunternehmen, Mittelständler oder Konzerne in den Konkurs treiben. Doch es gibt auch Gewinner der Krise: Käufer billiger Aktien und billiger Bitcoins beispielsweise oder Besitzer von Immobilien, welche die Nerven behalten. Ein großer Gewinner dürfte ebenso China sein, möglicherweise zudem […]

Samstag, 14. März 2020

Argentinien nimmt deutsche Urlauber in Zwangs Quarantäne wegen Corona Virus | Einreiseverbot für Deutsche in Bolivien

So hatte sich ein Berliner seinen 14-tätigen Urlaub in Argentinien nicht vorgestellt: Als er vor zwei Tagen von Argentinien nach Deutschland zurückfliegen wollte, hatte er erfahren, dass seine Airline kurzfristig den Flug gestrichen hatte. Doch nicht nur das. In einer Mail an Freunde schreibt er am Freitag den 13. März: So sei sein Rückflug von Argentinien nach Deutschland kurzfristig gestrichen […]

Samstag, 28. Dezember 2019

Italien, Mailand:

Organisierte Rip Deal Kriminalität stiehlt österreichischem Makler 23.000 Euro

Ein österreichischer Immobilienmakler einer bekannten internationalen Maklerkette wurde im Frühjahr 2019 Opfer eines Immobilien Rip Deals. Das schrieb er uns nun, sichtlich immer noch unter Schock. Im Rahmen des Finanzbetrugs wurde er in einem Kaffee in Mailand von den Gangstern um 23.000 Euro in bar betrogen. Der Rip Deal wurde im Rahmen der Organisierten Kriminalität mal wieder über die Niederlande […]

Samstag, 28. Dezember 2019

Gegen US-Strafverfolgung

Brief an Journalist Julian Assange von NoWar2019

Die vierte Jahreskonferenz der NGO-Organisation «World BEYOND War» (worldbeyondwar.org), hat bereits am 4. und 5. Oktober 2019 in Limerick, Irland, einen Brief verfasst, welcher die US-Strafverfolgung des Journalisten und Verlegers Julian Assange massiv kritisiert. Wir haben diesen Brief aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und geben ihn euch hier zur Kenntnis: „Wir sind Ihnen dankbar für die Arbeit, die Sie […]

Freitag, 11. Oktober 2019

Menschenrechte

Kasachstan lässt Serikzhan Bilasham frei: Er darf China aber nicht mehr kritisieren

Egal ob in entlegensten Ortschaften in Afrika oder eben im russischen Nachbarland Kasachstan: China ist überall und macht überall Geschäfte. Das hat nun auch Serikzhan Bilasham zu spüren gekommen. Er war verhaftet worden, da er öffentlich zu laut in Kasachstan die mangelnden Menschenrechte in China anprangerte. Fünf lange Monate hielt man den Menschenrechtler per «Hausarrest» in einem anonymen Haus im […]

Samstag, 28. September 2019

US-Politik pervers

Joe Bidens Sohn kassierte 45.000 Euro monatlich in Ukraine und Trump soll Amtsenthoben werden

Welcher Normalsterbliche schafft es in seinem Leben auf einen Monatslohn von rund 45.000 Euro, was umgerechnet 540.000 Euro in einem Jahr wäre? So viel Geld wird oft nicht einmal an deutsche Geschäftsführer bezahlt. Die Chefs von Unternehmen mit über 2000 Mitarbeitern bekommen hierzulande häufig Gehälter zwischen 300.000 und 350.000 Euro im Jahr – maximal. Doch ausgerechnet der Sohn des demokratischen […]

Translate »