Deutsche Botschaft Sudan gestürmt: Kommentar Peter Scholl-Latour in BILD-Zeitung / JUNGE WELT sieht ‚USA im falschen Film‘

kriegsberichterstattung.com / kriegsberichterstatter

Erstmals seit Jahrzehnten haben islamische Demonstranten und Chaoten eine deutsche Botschaft in einem islamischen Land, dem Sudan, gestürmt, und Feuer gelegt. Der Arabische Frühling könnte schon bald zum dunklen Herbst werden, warnt der weltweit anerkannte und bekannte Kriegsberichterstatter Peter Scholl-Latour in einem bemerkenswerten Interview mit der BILD-Zeitung. kriegsberichterstattung.com druckt Auszüge.

Frage BILD: Welche Fehler hat der Westen gemacht?

Antwort Peter Scholl-Latour: „Der größte Irrtum des Westens war, nach dem Sturz der arabischen Despoten, plötzlich westliche Demokratien mit Menschenrechten und Meinungsfreiheit in diesen Ländern zu erwarten. Ich trauere Libyens Ex-Diktator Gaddafi nicht nach, aber er war ein Feind der Islamisten. Und Ägyptens Präsident Mubarak war zwar ein gläubiger Moslem, ließ aber auch zu, dass in Ägypten Alkohol getrunken werden konnte und das Land somit für westlichen Tourismus attraktiv wurde. In Syrien hat Assad die Rechte der christlichen Minderheit garantiert. Bei aller Grausamkeit war Syrien der einzige säkulare Staat in der Region. All diese Gewissheiten haben sich nun erledigt.“

Weiter wirft Scholl-Latour dem Westen vor, den sogenannten „Arabischen Frühling“ zu rosarot gepinselt zu haben, was „naiv“ gewesen sei. Der Westen hätte jetzt „keine Ahnung mehr“, was in Libyen oder Ägypten passiere. Der amerikanische Botschafter in Libyen habe das nun in der einstigen Hochburg der islamischen „Rebellen“ (der einst von der NATO aufgerüsteten Stadt Benghazi), mit dem Leben bezahlt.

Dabei ist bis heute nicht geklärt mit welchen Waffen der US-Botschafter ermordet wurde. Möglicherweise stammten die Waffen sogar aus Arsenalen der NATO, die benutzt wurden, um im Libyen-Krieg 2011 rund 50.000 Menschen in Libyen umzubringen, „um das Land von Gaddafi zu befreien“ (O-Ton West-Medien während des Krieges).

In dem BILD-Interview gibt Peter Scholl-Latour zudem zu bedenken: „Der Flächenbrand hat längst begonnen – und ausgerechnet unser Verbündeter Saudi-Arabien finanziert die Islamisten.“

Doch nicht nur Saudi-Arabien rüstet massiv die Islamisten auf, sondern auch der Westen selber – zum Beispiel liefert er finanzielle, militärische und logistische Mittel an die islamische Terrororganisation „Freie Syrische Armee“. Diese Terrororganisation hat bereits Tausende Christen aus Homs in Syrien vertrieben, Hunderte umgebracht und arbeitet am Sturz des syrischen Präsidenten und Diktators Baschar Hafiz al-Assad. Als Förderer der islamischen Terrororganisation „Freie Syrische Armee“ agieren insbesondere die USA, Frankreich und die Türkei, aber auch neben Saudi-Arabien das kleine Ölland Katar (Qatar).

So titelte denn auch die Zeitung JUNGE WELT am Freitag „USA im falschen Film“. Die linksliberale Tageszeitung, die gerne einen etwas anderen, vor allem kritischeren Blick, auf die Geschehnisse in der Welt wirft, schrieb:

„Die Proteste in der islamischen Welt gegen das mutmaßlich in den USA produzierten Filmmachwerk ‚Innocence of Muslims‘ (Unschuld der Muslime) weiten sich aus…. Proteste wurden.. aus der iranischen Hauptstadt Teheran und aus dem palästinensischen Gaza gemeldet. Außerdem aus Bangladesch, Tunesien, Marokko und Sudan. Der von der NATO im Amt gehaltene afghanische Präsident Hamid Karsai sagte Auslandsreisen ab, offensichtlich davon ausgehend, dass die Attacken auf die Besatzungstruppen intensiviert werden…. Die Gewalteskalation in Bengasi ist für Washington besonders bitter: Die USA hatten die von dort operierenden Aufständischen beim Sturz des libyschen Präsidenten Muammar Al-Gaddafi unterstützt, Botschafter Stevens (Anmerkung: jetzt von Islamisten ermordet) war als Sonderbeauftragter für die Kontakte zum libyschen Übergangsrat zuständig.“ Das umstrittene Video ‚Innocence of Muslims‘ ist im Internet auf YouTube abrufbar.

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