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Donnerstag, 23. Januar 2020

Urteil Hells Angels Kiel: Kronzeuge vier Jahre ins Gefängnis / ‚Sadist, skrupellos, gewalttätig‘

Mit rund vier Jahren kommt der Kronzeuge der Kieler Staatsanwaltschaft, Steffen R., im Prozess gegen den aufgelösten Rockerclub ‚Legion 81‘ verhältnismäßig milde im Urteil des Landgerichts Kiel davon. Damit ging sein Kalkül auf: Aus dem Innenleben der Hells Angels berichten und im Gegenzug eine nicht zu harte Strafe erhalten. Steffen R. saß bereits seit einem Jahr in Untersuchungshaft. Sein Spitzname: „Imperator“ und „Kugelblitz“.

Dass Steffen R. überhaupt vor Gericht landete, ist dem Umstand zuzuschreiben, dass er in kriminelle Geschäfte verwickelt war: „Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung“, also Zuhälterei, sowie schwere Körperverletzung und versuchte Erpressung. Hätte Steffen R. nicht so viel vor Gericht erzählt, wie er es tat, hätte er leicht für bis zu zehn Jahren hinter schwedische Gardinen wandern können. So aber ist das Ende der Haftstrafe für ihn absehbar.

Als Nebenkläger vorm Landgericht Kiel waren auch zwei nach eigenen Angaben „brutal drangsalierte ehemalige Prostituierte“ aufgetreten. Deren Anwälte forderten deshalb ein höheres Strafmaß als das nun vom Landgericht Kiel ausgesprochene. Die Prostituierten hatten gesagt, der Ex-Rocker sei ein „ein Sadist, skrupellos und gewalttätig“. Zudem sei er „ein grober Mensch, der auf niemanden Rücksicht nimmt.“

Allerdings kann es trotzdem sein, dass Steffen R., der sich vor Gericht geläutert gab, doch länger als die nun vom Gericht verhängten viereinhalb Jahre ins Gefängnis muss. Ursache: Auf Grund seiner straffälligen Rückfälligkeit wurde eine Bewährung einer früheren Strafe widerrufen.

Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski vom Landgericht Kiel sagte, er bewerte es dem 40-Jährige ehemalige Motorrad-Rocker positiv, dass er sich vom gewalttätigen Rockermilieau gelöst habe und innerhalb der Kronzeugenregelung andere Hells Angels Rocker belastet habe.

Die Razzia in Schleswig-Holstein, an der 1.200 Beamte vor wenigen Wochen teilnahmen, war auch auf Grund der Aussagen von Steffen R., dem Anführer der „Legion 81“ durchgeführt worden. R. hatte zu Protokoll gegeben, die „Legion 81“ sei eine Hilfstruppe der Hells Angels gewesen – zuständig für Gewaltaktionen, Drogengeschäfte, auch Waffengeschäfte.

Heikel und bislang durch keinen stichhaltigen Beweis gedeckelt, ist die Version von Steffen R., wonach der Hells Angels Chef aus Hannover einen Mordauftrag an einem Türken in Kiel gegeben haben soll. Die Geschichte klang selbst für hart gesottene Gerichtsreporter zumindest abenteuerlich: Angeblich hätten die Hells Angels den Türken zunächst anal gefoltert, anschließend erschossen und im Betonboden einer Lagerhalle in einem Kieler Stadtteil einbetoniert – ganz nach Mafiaart.

Seit dem 24. Mai durchsucht die Polizei fieberhaft den Betonboden der Lagerhalle. Doch in den vergangenen drei Wochen wurde bislang nichts gefunden. Zwischenzeitlich wurde nicht nur das Lagergebäude gestützt, um einen Zusammenbrechen zu verhindern, sondern mit einem Kran auch das Dach abgehoben. Diese Maßnahme sei notwendig, „um die Spurensuche fortsetzen zu können“, erklärte Oberstaatsanwältin Birgit Heß.

Da bislang im Lagerhaus aber nicht allzu viel gefunden wurde, fragen sich viele: Hat Steffen R. Märchen erzählt, ist mit ihm die Phantasie durchgegangen, oder ist seine Version die Wahrheit? Dieses umso mehr, als dass eine andere Version besagt, auf den „Kopf“ des Türken hätten Kurden, die wegen vermasselter Drogengeschäfte sauer wären, ein Kopfgeld ausgesetzt. Das sei ebenfalls mit dem Verschwinden des Türken vor zwei Jahren passiert. Lesen:

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Zudem:

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